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interview bissig 01 2022Semyel Bissig spricht im Interview über seine Rückkehr auf den Schnee, die vergangenen fünfeinhalb Monate seit seiner Verletzung, sein Handicap und die Erfolge seines Freundes und Teamkameraden Marco Odermatt.

Semyel Bissig, fünfeinhalb Monate sind seit der Verletzung verstrichen. Wie ist Deine aktuelle Verfassung?

Ich fühle mich sehr gut. Ich bin beinahe vollständig genesen. Im Training bin ich nicht mehr eingeschränkt und spüre die Verletzung nicht mehr. Auch meine Rückkehr auf die Skier steht unmittelbar bevor. Ich gehe davon aus, dass ich ab Mitte Februar wieder mit dem Team von Swiss Ski trainieren kann. Zuvor werde ich noch einige individuelle erste Schneetage in der Region bestreiten.

In Deinem vom ehemaligen Spitzenfahrer Sandro Viletta trainierten Riesenslalom-Team befinden sich neben Thomas Tumler noch Daniele Sette, die sich voll im Wettkampfmodus befinden. Wie muss man sich da ein Training nach einer Verletzung vorstellen?

Derzeit befinden sich alle noch voll im Wettkampfmodus. Nach dem Riesenslalom-Rennen in Adelboden vom Samstag gibt es für jene Fahrer, die nicht an die Olympischen Spiele nach Peking reisen, eine längere, zweimonatige Pause. Der nächste Riesenslalom im Weltcup steht dann erst wieder am 12. März in Kranjska Gora auf dem Programm. Auch unser Trainer-Team wird wohl nicht nach Peking reisen, so dass wir in dieser Wettkampfpause individuell trainieren können. Alle drei Fahrer haben dabei unterschiedliche Bedürfnisse. Wir werden dann sehen, wie sich dies organisieren lässt. Meine Rückkehr in den Weltcup ist aber erst für die kommende Saison geplant.

Wie beurteilst Du im Rückblick die vergangenen Wochen der Rehabilitation?

Es war eine spannende Zeit für mich. Ich habe viel über mich selbst gelernt. Den Körper konnte ich von Null wieder auf Wettkampfniveau aufbauen. Gleichzeitig verlernt man die Bewegungen des Skifahrens nicht. Es gab diese Tage an den Krücken, da konnte ich nichts machen. Ich habe viel nachgedacht, manchmal fast zu viel. Es galt, mit sich selbst in dieser Situation klarzukommen. Gleichzeitig war ich aber auch stets im Austausch mit anderen Athleten, vor allem mit Marco. Wir sind ja im Skiweltcup auch ein wenig eine grosse Familie und da nimmt man Anteil am Schicksal anderer Fahrer. Ganz allgemein fühle ich mich in meinem sportlichen Umfeld mit Trainern, Physiotherapeuten und Ärzten sehr gut aufgehoben. Ich habe mich nicht einsam gefühlt. Ich wusste stets, wen ich anrufen konnte, wenn ich ein Problem hatte.

Nicht nur den Körper, sondern auch Dein Golfspiel hat, grosse Fortschritte gemacht, in dieser Zeit.

Das Golfspiel ist ein sehr guter Ausgleich für mich. Ich kann da voll und ganz abschalten. In den vergangenen Wochen und Monaten habe ich viel Zeit auf dem Golfplatz verbracht, zuletzt auch noch in den Ferien in der Türkei. Mittlerweile bin ich bei Handicap 1 angelangt. Ich kann mir gut vorstellen, zu einem späteren Zeitpunkt auch einmal eine Ausbildung zum Teaching Professional zu machen. Um in den professionellen Golfsport einzusteigen, ist es hingegen zu spät. Man kann diese ersten Jahre – wie auch beim Skifahren – in meinem Alter nicht mehr aufholen. Da mache ich mir keine Illusionen.

Wie beurteilst Du die bisherige Skisaison?

Ich schaue die Rennen und freue mich natürlich über jeden Sieg von Marco. Wir sind ja auch freundschaftlich über den Sport hinaus verbunden. Allgemein sah ich viele spannende Rennen. Aber ich habe mich nicht zu intensiv damit befasst. Es macht ja keinen Sinn. Wenn man verletzt ist, ist eine gewisse Distanz mental sicherlich förderlich.

Wie erklärst Du Dir die Leistungen von Marco?

Wir sind ja gewissermassen skifahrerisch zusammen aufgewachsen. Entsprechend überraschen mich diese Leistungen nicht. Es ist ja nicht so, dass er sich skifahrerisch in anderen Dimensionen bewegen würde. Aber er ist einfach mental so stark, mit dem absoluten Fokus und Killer-Instinkt am Tag X und im Rennen wächst er noch einmal über sich hinaus. Er zieht es einfach durch. Dies hatte man damals schon an den Junioren-Weltmeisterschaften gesehen, als er fünfmal Gold gewonnen hatte, und am Morgen vor Schmerzen jeweils fast nicht in die Skischuhe kam. Aber er hat es einfach durchgezogen, ohne Schmerzmittel und ohne dass es jemand bemerkt hätte. Man sieht, dass er im Rennen derzeit alles unter Kontrolle hat, kaum Fehler macht und sein Ding einfach überlegen durchzieht. Dies ist beeindruckend.

Inwiefern sind seine Leistungen für Dich auch Ansporn?

Es ist ja nicht so, dass ich nun einfach bewundernd zu Marco hochschaue. Ich bin hungrig. Ich will da auch hin. Das Potenzial ist vorhanden, da vorne mitzufahren. Wir trainieren ja auch im Sommer gemeinsam und auch sonst verbringen wir in der Freizeit viel Zeit zusammen, so dass ich weiss, wo ich stehe. Ich kann nun bereits das Konditionstraining forcieren und gehe dann konditionell mit einem grossen Vorsprung gegenüber den anderen Fahrern in das Sommertraining.

 

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