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Semyel Bissig errang an zwei Juniorenweltmeisterschaften bereits einen kompletten Medaillensatz – nächstes Jahr will er diese Sammlung in Val di Fasse noch erweitern. Zudem möchte er sich mit konstanten Leistungen im Europacup für höhere Aufgaben empfehlen.

Während die meisten Schweizer Skifahrer in Saas Fee und Zermatt auf dem Gletscher trainierten, hast Du im August in Neuseeland und Australien elf Rennen bestritten. Was hat Dich, Semyel, bewogen, diesen Sommer einen Sonderweg einzuschlagen?

Semyel Bissig: Für mich selbst war es eigentlich nichts Aussergewöhnliches, weil ich schon zum dritten Mal an Rennen des Australian New Zealand Cups teilgenommen habe. Das gehört also irgendwie zu meiner Saisonvorbereitung. Mir gefällt es auf dem fünften Kontinent, vielleicht auch, weil meine Tante, die frühere Weltcupfahrerin Christine Berlinger, in Neuseeland lebt, wenn auch nicht im Renngebiet. Nachdem ich im Riesenslalom zwei eher enttäuschende Saisons erlebt hatte, war es mein Ziel, mich in dieser Disziplin in der FIS-Weltrangliste zu verbessern – auf eine Position, die meinem gegenwärtigen Potenzial entspricht.

Und ist Dir das gelungen?

Semyel Bissig: Ich habe sechs Riesenslaloms bestritten und war nie schlechter als im 11. Rang klassiert. Damit habe ich mich in der FIS-Rangliste um 141 Positionen auf Rang 168 verbessert. Ich darf also sehr zufrieden sein, auch wenn sogar noch mehr möglich ist. 

Warum lief es Dir im Slalom weniger gut?

Semyel Bissig: Im Slalom kamen die Wettkämpfe nach der Sommerpause etwas zu früh. Ich hatte erst vier Tage Slalom trainiert und fasste daher die Rennen eher als wettkampfmässiges Training auf. Dass ich dreimal ausschied, war natürlich nicht geplant, aber für mich hatte der Slalom klar zweite Priorität. Deshalb nehme ich es nicht tragisch und lasse mich vor der neuen Saison keineswegs verunsichern.

Slalom ist also trotzdem eindeutig Deine stärkste Disziplin?

Semyel Bissig: Das ist eine knifflige Frage. Im Slalom durfte ich letztes Jahr beim Saisonauftakt in Levi meine Weltcuppremiere feiern, und auch dieses Jahr ist ein Start in Levi geplant. Die Experten des Skiverbandes gehen demnach davon aus, dass ich im Slalom den Durchbruch am schnellsten schaffen kann. Nach dem Exploit im Riesenslalom bin ich nun aber in allen Disziplinen in der FIS-Rangliste fast gleich gut klassiert und geniesse es, dass ich im Moment noch in allen Disziplinen an den Start gehen kann – insbesondere im Februar 2019 an den Juniorenweltmeisterschaften im italienischen Val di Fasse.

Ein gutes Stichwort: Du hast an den beiden letzten Juniorenweltmeisterschaften einen kompletten Medaillensatz gewonnen – in Are gewannst Du eine Bronzemedaille im Super G, in Davos Gold mit der Mannschaft und Silber in der Kombination. Was bedeuten Dir diese Erfolge?

Semyel Bissig: Sehr viel, sie stellen den Höhepunkt meiner bisherigen Karriere dar. Trotzdem ist es nur eine Zwischenetappe. Ich bin ich mir bewusst, dass auf die Dauer nur die bei den richtigen Weltmeisterschaften gewonnenen Medaillen zählen… 

Im Slalom hast Du in Davos nach einem guten ersten Lauf die angestrebte Medaille verpasst. Wurmt Dich das im Nachhinein?

Semyel Bissig: Eigentlich überhaupt nicht. Natürlich ist es schade, wenn man eine Medaille knapp verpasst. Nach dem guten ersten Lauf durfte ich nicht auf Abwarten fahren, bin also ein gewisses Risiko eingegangen und habe einen klaren Fehler gemacht. So gesehen habe ich keine Medaille verdient. Nachdenklich hätte mich gestimmt, wenn mir ein paar Hundertstelsekunden gefehlt hätten, ohne dass ich wüsste, wo ich sie liegen gelassen habe. Und das Beste: Ich habe ja die Möglichkeit, doch noch eine Slalommedaille zu holen.

Und eine im Riesenslalom und eine in der Abfahrt…

Semyel Bissig: Ja, warum nicht… Marco Odermatt hat mir vorgemacht, wie erfolgreich man als Schweizer an einer Juniorenweltmeisterschaft sein kann, auch wenn seine fünf Goldmedaillen wohl einmalig bleiben werden.

Was empfindest Du, wenn Dir mit Marco Odermatt ausgerechnet ein Nidwaldner vor der Sonne steht? 

Semyel Bissig: Ich mag Marco den Erfolg von Herzen gönnen. Wir kennen uns nun schon viele Jahre, und es gab dabei auch Zeiten, da war ich ihm eine Naselänge voraus. Natürlich will ich alles daransetzen, dass dies wieder einmal der Fall ist. Wir haben schon so viel miteinander erlebt, auf und neben der Skipiste, dass ich ihn als guten Freund bezeichnen darf. 

Kannst Du ähnliches auch von anderen Skifahrern sagen?

Semyel Bissig: Das ist vielleicht ein Phänomen, das Nicht-Skifahrer nicht recht verstehen können: Wir Skifahrer sind Einzelsportler und kämpfen im Rennen gegeneinander; gleichzeitig herrscht aber, zumindest unter uns jungen Schweizern, eine gute Kameradschaft und ein toller Teamgeist. Die Entbehrungen und Strapazen, aber auch die grossen Emotionen, die der Sport mit sich bringt, positive wie negative, kann man gemeinsam viel besser verarbeiten als allein.

Gibt es da im Moment jemanden speziell zu erwähnen?

Semyel Bissig: Nein, eigentlich nicht. Ich komme mit allen Mitgliedern des B-Kaders gut aus. Doch, vielleicht Lars Rösti, mit ihm teilte ich im Frühjahr während der Sportler-RS das Zimmer. Das schweisst zusammen. Da er aber ein Speedfahrer ist, werden wir uns im Winter wohl nur selten sehen.

Ein Wort zur Sportler-Rekrutenschule?

Semyel Bissig: Man würde es mir wohl nicht glauben, wenn ich eine riesige Militärbegeisterung zeigen würde. Aber die Sportler-RS ist eine sehr gute Möglichkeit, die Bürgerpflicht zu erfüllen, ohne sportliche Nachteile in Kauf zu nehmen. Beim zweiten Teil der RS im Frühjahr 2019 werden die sportlichen Aspekte noch stärker gewichtet, dafür bin ich dankbar. Und für Kollegen, die sich nicht profimässig auf ihren Sport konzentrieren können, kann die Sportler-RS sogar den Sprung vom Nachwuchs in die Elite erleichtern. Eine gute Sache also.

Drehen wir das Rad der Sportgeschichte nochmals zurück: Du stammst aus einer Skifahrerfamilie. War es für Dich deshalb von Anfang an klar, dass Du den Skisport zum Beruf machen möchtest?

Semyel Bissig: Das mit der Skifahrerfamilie stimmt so nicht ganz. Meine Tante Christine hat zwar, wie bereits erwähnt, Weltcuprennen bestritten. Meine Eltern hingegen fahren zwar gerne Ski, nahmen aber nie an Rennen teil. Umso höher rechne ich es ihnen an, dass sie sich so stark für uns engagierten. Meine Mutter Petra hat früh erkannt, wieviel uns Kindern der Skisport bedeutet und wie viel Talent wir offensichtlich besitzen. Ohne ihre Unterstützung würden wir jetzt nicht dort stehen, wo wir sind: Auf dem Sprung zur Weltelite. Darüber hinaus waren und sind wir im Skiclub Beckenried bestens aufgehoben. Neben dem Skifahren habe ich aber einige Jahre auch Fussball gespielt, und heute bin ich gerne auf dem Tennisplatz. Das macht mir Spass und fördert die Beweglichkeit.

Ist es für Dich von Vorteil, dass auch Deine beiden Schwestern Carole und Chiara Skirennen fahren?

Semyel Bissig: Wir haben einen guten Zusammenhalt und der gemeinsame Beruf verbindet uns zusätzlich. Doch unsere sportlichen Wege haben sich schon früh getrennt. Auch im Nachwuchs tragen Frauen und Männer ihre Rennen kaum je am gleichen Ort aus. Dank Handy und sozialen Medien wissen wir natürlich immer Bescheid, wie es den anderen gerade läuft. Und natürlich freuen wir uns, wenn einer von uns dreien sportlich einen Schritt weiterkommt. Das ist sicher eine zusätzliche Motivation. Eine Gemeinsamkeit ist unser Helmsponsor Brunos Salatsauce (brunosbest.ch) – Bruno Arnold, ein innovativer Innerschweizer Geschäftsmann und eine Art Freund des Hauses, unterstützt uns schon seit Jahren.

Und Mitte September hast Du mit Werco Trade einen Co-Sponsor gefunden!

Semyel Bissig: Ja, das ist toll. Es handelt sich um einen Innerschweizer Rohstoffhändler. Das Unternehmen ist von zwei ehemaligen Spitzenturnern, Marco Wermelinger und Michael Müller, gegründet worden. Sie wissen, wie sehr Nachwuchssportler auf Unterstützung angewiesen sind, nicht nur in materieller Hinsicht. Und umgekehrt beweisen sie mir, dass man auch nach Abschluss der Sportkarriere im Leben seinen Mann stehen kann.

Wenn man von Unterstützung spricht, gilt es auch Atomic zu erwähnen…

Semyel Bissig: Wir sind vor fünf Jahren an Atomic herangetreten und fühlen uns bei dieser Skifirma nach wie vor sehr wohl. Mir persönlich sagt es zu, dass ich auch Skischuhe und Helme des gleichen Anbieters trage. Das vertieft das gegenseitige Vertrauensverhältnis.

Gibt es andere Schweizer, die auf Atomic setzen?

Semyel Bissig: Erstaunlicherweise sind es nur wenige Schweizer Spitzenfahrer wie Mauro Caviezel und Nils Hintermann; aber dafür haben wir ja einen Marcel Hirscher. Einst war er mein sportliches Vorbild; nun ist er ein äusserst erfolgreicher Markenkollege, von dem ich das eine oder andere abzuschauen versuche.

Kommt man als Nachwuchsfahrer wirklich in Kontakt mit einem Superstar wie Marcel Hirscher?

Semyel Bissig: Bei Atomic ist es üblich, dass man füreinander Skis testet. Das habe ich auch schon für Marcel Hirscher getan.

Und arbeitest für ihn als Körperdouble…

Semyel Bissig: Weil wir einen ähnlichen Körperbau und einen ähnlichen Stil haben, wirkte ich tatsächlich einmal in einem Werbefilm von Marcel Hirscher mit. Aber das ist eine völlige Nebensache. Wichtig ist, dass er uns Nachwuchsfahrern kollegial und mit Respekt begegnet. 

Kommen wir auf die neue Saison zu sprechen. Fanden mit Blick auf den offiziellen Saisonstart im November die Rennen in Neuseeland nicht viel zu früh?

Semyel Bissig: Man muss mit einer solchen Situation bewusst umgehen. Nach meiner Rückkehr bin ich etwa einen Monat lang den Skipisten ferngeblieben und habe nur Kondition gebüffelt. Ansonsten absolviere ich nun das gleiche Programm wie die anderen Mitglieder des B-Kaders. Wenn es so weit ist, sind wir bereit…

Und wie sehen Deine Saisonziele aus? 

Semyel Bissig: Von den Juniorenweltmeisterschaften haben wir bereits gesprochen. Vor allem möchte ich im Europacup mit konstanten Leistungen aufwarten und meine Position Schritt für Schritt verbessern, im Slalom und Riesenslalom, aber je nachdem auch in den anderen Disziplinen.

Und der Weltcup spielt keine Rolle?

Semyel Bissig: Doch, natürlich. Aber es hat keinen Sinn, sich hier konkrete Ziele zu setzen, zumindest solange ich mit hohen Nummern an den Start gehen muss. Es gilt, wie schon im letzten Winter, Erfahrungen zu sammeln. Erfahrungen sind im Skisport sehr wichtig. Senkrechtstarter sind sehr selten. Ziel eines jeden Skifahrers sind aber natürlich Weltcuppunkte. Diesen Winter darf ich, muss aber nicht um jeden Preis Weltcuppunkte holen. Doch wenn es einmal läuft, kann die Situation schnell ändern. Und ich bin ehrgeizig genug, die Chance zu packen, wenn sie sich mir bietet.

Interview mit Andreas Schiendorfer

 

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«Seit 2015 werde ich von Bruno’s Best unterstützt. Das Innerschweizer Familienunternehmen stellt die beliebtesten Salatsaucen der Schweiz her. Kein Wunder, denn sie werden frisch wie hausgemacht zubereitet – mit Zutaten aus der Region und von Schweizer Lieferanten. Da man die Regionalität und die Liebe zum Produkt schmeckt, bin auch ich ein Fan davon. Ich bin stolz auf die tollen Erfolge, die wir bisher zusammen erleben durften und freue mich auf hoffentlich viele weitere.»

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